Lernen

Bei allen Besonderheiten, die eine Waldorfschule hat: Einen Lehrplan gibt es wie an jeder anderen Schule. Er steckt den Rahmen ab, in dem sich der Unterricht in den einzelnen Klassenstufen entwickeln soll. Er orientiert sich an der Waldorfpädagogik, muss aber natürlich auch das Ziel und die Vorgabe einbeziehen, die Schülerinnen und Schüler auf ihre Abschlüsse vorzubereiten.

Das ganze Kind lernt

In den ersten Klassen lernen die Schülerinnen und Schüler neben vielem anderem die grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Das oberste Ziel ist, die Lernstoffe so zu vermitteln, dass die Kinder sie in einer gesunden, altersgemäßen Form aufgreifen können. Nicht nur der Kopf, auch die Seele des Kindes und sein Leib sollen reifen können. So soll es lebendiger und offener bleiben für die vielen Möglichkeiten, die in ihm stecken.

 

Unterricht in Epochen

Bis zur 12. Klasse wird in Deutsch, Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaften in Epochen unterrichtet. Das heißt, die Fächer laufen nicht das ganze Jahr parallel nebeneinander her, sondern es steht über drei bis vier Wochen jeden Morgen die Hauptunterrichtszeit von 8 bis 9:45 Uhr für jeweils ein einziges Fach zur Verfügung. In diesem Zeitraum können sich die Schülerinnen und Schüler vertieft mit einem Thema auseinandersetzen und tauchen stärker in die Fragestellungen ein. Zu jeder Epoche führen die Schülerinnen und Schüler ein eigenes Epochenheft, in dem sie alles Besprochene dokumentieren und mit eigenen Gedanken ergänzen können.

 

Fremd- sprachen

Der Fremdsprachenunterricht beginnt schon in der ersten Klasse mit Russisch oder Französisch. In der zweiten Klasse kommt Englisch hinzu. Über Sprechen und Nachahmen erfahren die Schülerinnen und Schüler die Sprachen. Erst später lernen sie, wie die fremden Worte geschrieben werden.

 

Mathematik

Auch Mathematik sollen die Schülerinnen und Schüler über die Erfahrung erobern. An konkreten Aufgaben entdecken sie Zusammenhänge und Regeln. So bilden sie sich selbst die Begriffe, die dann im Gespräch mit der Klasse herausgearbeitet und klar formuliert werden müssen. In der Oberstufe mündet der Unterricht in die Behandlung der "klassischen" Bereiche wie Analysis, Lineare Algebra und Stochastik, aber auch Themen wie beispielsweise die projektive Geometrie, die das Vorstellungsvermögen und eine bewegliche Begriffsbildung besonders fördert, werden behandelt.

 

Naturwissen- schaften

In den Naturwissenschaften beginnt der Unterricht in der sechsten Klasse. Die Schülerinnen und Schüler erleben eine Fülle von Experimenten. In Physik werden in jedem Jahr viele Gebiete behandelt: Magnetismus, Akustik, Optik, Wärme und Elektrizität. Auch noch in der neunten Klasse wird nicht ein Gebiet nach dem anderen systematisch erarbeitet, sondern es werden eine Vielzahl von Phänomenen in ihrem Zusammenhang behandelt. Telefon, Dampfmaschine, Verbrennungsmotoren und Strahltriebwerke werden besprochen. Erst in der zehnten Klasse beginnt ein systematischer Aufbau mit der Mechanik, gefolgt von Elektrizität, Radioaktivität und schließlich Optik. Die Optikepoche der zwölften Klasse bietet dann auch Gelegenheit, sich mit den modernen Fragestellungen der Physik, zum Beispiel mit der Bedeutung der Modellvorstellungen für das Verstehen der Natur, zu befassen.