08. Sep 2019

Canan Uzerli in der Alten Brüderkirche

Unsere Feierlichkeiten zu Waldorf 100

Wie zu einer Hochzeit eingeladen fühlen konnte sich, wer den festlich geschmückten hohen Raum der Brüderkirche betrat – und ein Fest für die Sinne wurde dann auch geboten:

Canan Uzerli und ihre Band vermochten das einst sakrale Gemäuer vom ersten Ton an nicht nur mit einem vollen Klang zu erfüllen, sondern zugleich auch zu verwandeln, ja, wie zu verzaubern. Mal fühlte man sich an einen südlichen, nächtlichen Strand versetzt, dann wiederum in einen orientalischen Basar, und mit jedem Lied neu und immer mehr wurden die gebannt Lauschenden von der dunklen, warmen und dann wieder hell strahlenden, leichten Stimme der Sängerin mitgenommen auf eine Reise der Gefühle. Fast immer ging es um die Liebe in ihren vielen Spielarten – und dann wieder ging der Rhythmus einem so durch und durch, dass manche sich unweigerlich am Platz mitwiegten, ins Schwingen kamen und schließlich einfach tanzen mussten.

Canan Uzerli stellte in aller Bescheidenheit sich selber als ehemalige Schülerin der Kasseler Waldorfschule vor, dankbar und glücklich über die Gelegenheit, in der Stadt ihrer Kindheit an einem solch besonderen Ort musizieren zu dürfen, und dies in Begleitung von fünf Vollblut-Musikern an ihrer Seite. Stellvertretend genannt sei hier der Gitarrist Hendrik Kolenda, mit dem sie sich beim Schreiben der eigenen Stücke ganz offenbar kongenial ergänzt, sowie Ulrich Kodjo Wendt, der sein Akkordeon ein ums andere Mal mit mitreißender Musikalität regelrecht zum Singen brachte.

Canan Uzerli erzählte zwischen den Stücken, wie ihr diese als „Stimme aus dem Inneren“ entstehen. Selbst aus den tief melancholischen Balladen klang stets ein leuchtender, kraftvoller Lebensmut, der einem das Herz erwärmte. Und für niemanden, der diesen Abend miterleben durfte, stand außer Frage, dass hier jemand im Türkischen eine Sprache gefunden hat, um im Gesang die tiefsten Gefühle auszudrücken, von Liebessehnsucht und Enttäuschung bis hin zu der Heimatliebe, wie sie im besonders berührenden Lied über Istanbul unmittelbar mitzufühlen war. Nach zwei Zugaben und stehendem Applaus blieb die Hoffnung, diese wunderbare Sängerin und ihre Band bald einmal wieder live in Kassel hören zu können!

 

Text: War · Fotos: Ehl